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Niedertemperatur Heizkörper: Sparen Sie bis zu 30% Heizkosten

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Niedertemperatur-Heizkörper: der Unterschied, der die Heizung rettet

35 Grad. Das ist die Zahl, um die sich bei mir fast drei Jahre lang alles gedreht hat.

Als ich 2022 unser Reihenhaus aus den 1960ern kaufte, war die Ölheizung am Ende und die Wärmepumpe gesetzt. Der Heizungsbauer schaute sich unsere alten Rippenheizkörper an, schüttelte den Kopf und sagte einen Satz, den ich damals nicht verstand: „Mit den Dingern wird das nichts." Gemeint war nicht die Wärmepumpe. Gemeint waren die Heizkörper. Genauer: die Vorlauftemperatur, mit der sie noch arbeiten.

Ein Standard-Heizkörper ist auf 75 °C Vorlauf und 65 °C Rücklauf ausgelegt, das nennt man 75/65/20. Eine Wärmepumpe arbeitet wirtschaftlich bei 35 bis 45 °C Vorlauf. Dazwischen liegt kein kleiner Unterschied, sondern ein völlig anderes physikalisches Regime. Und genau hier kommen Niedertemperatur-Heizkörper ins Spiel.

Wichtige Erkenntnisse

  • Ein Niedertemperatur-Heizkörper ist kein „besserer" Heizkörper, sondern einer mit größerer Heizfläche und besserer Luftkonvektion für niedrige Vorlauftemperaturen.
  • Die Faustregel bei der Umrüstung: Wer den Vorlauf von 75 auf 45 °C senkt, braucht etwa das 1,8- bis 2,5-Fache an Heizfläche — je nach Bauart.
  • Typ 33 ist nicht automatisch die beste Wahl. Manchmal ist ein größerer Typ 22 die günstigere und leisere Lösung.
  • Eine Wärmepumpe ohne passende Heizkörper ist kein Effizienzproblem, sondern ein Komfortproblem: Es wird schlicht nicht warm.
  • Bei Altbau ohne Dämmung lohnt das Nachrechnen vor dem Kauf, nicht danach.

Was macht einen Niedertemperatur-Heizkörper eigentlich aus?

Kurz gesagt: Mehr Fläche, weniger Temperatur.

Die Heizleistung eines Heizkörpers hängt physikalisch von der Temperaturdifferenz zwischen Heizmedium und Raumluft ab — der sogenannten Übertemperatur ΔT. Senkt man den Vorlauf, sinkt ΔT, und damit die abgegebene Wärmemenge. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Wer also bei niedrigerer Temperatur dieselbe Leistung will, muss die Fläche erhöhen. So einfach, so unbequem.

Ein Niedertemperatur-Heizkörper erreicht das über zwei Wege, die oft kombiniert werden: eine größere Heizfläche (mehr Lamellen, mehr Wasserinhalt, oft dickere Bauform) und eine bessere Konvektion durch optimierte Luftführung. Manche Modelle haben zusätzlich Ventilatoren — dann spricht man von Ventilheizkörpern, die mit sehr kleinen Flächen sehr viel Leistung bringen, aber Strom brauchen und Geräusche machen können.

Vorlauftemperatur 35 Grad: geht das überhaupt?

Ja. Aber nur, wenn zwei Bedingungen stimmen: Das Gebäude darf nicht zu viel Wärme verlieren, und die Heizflächen müssen groß genug sein.

Bei mir war es konkret so: Wohnzimmer, 24 m², Altbau mit nachträglich gedämmter Außenwand, geschätzter Wärmebedarf um die 55 W/m². Macht etwa 1.300 Watt. Unser alter Heizkörper war ein Typ 22, Bauhöhe 500 mm, Länge 1.000 mm — bei 75/65/20 rund 1.700 Watt, bei 45/35/20 noch etwa 700 Watt. Zu wenig. Also raus damit, rein ein Typ 33 mit 600 mm Höhe und 1.600 mm Länge. Der bringt bei 45/35/20 ungefähr 1.500 Watt. Passt.

Was ich damals nicht wusste: Diese Umrechnung läuft nicht linear. Der Norm-Exponent für Heizkörper liegt laut EN 442 bei etwa 1,3. Wer also den Vorlauf um 30 Kelvin senkt, verliert nicht 30 % Leistung, sondern deutlich mehr — oft 55 bis 65 %. Ich hatte mit 40 % gerechnet und lag damit komplett daneben. Zum Glück, bevor ich bestellt habe.

Niedertemperatur-Heizkörper für Wärmepumpe: die entscheidende Frage

Die Wärmepumpe ist der Grund, warum dieses Thema überhaupt so hochkocht. Und hier gibt es einen Punkt, der in vielen Ratgebern untergeht.

Es geht nicht nur darum, ob es warm wird. Es geht um den COP bzw. die Jahresarbeitszahl (JAZ). Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe, die bei 55 °C Vorlauf arbeiten muss, kommt auf eine JAZ von vielleicht 2,8. Bei 35 °C Vorlauf sind Werte um 3,8 bis 4,2 realistisch. Das ist kein Detail, das ist der Unterschied zwischen einer wirtschaftlichen und einer teuren Heizung. Und die Heizkörper sind der Hebel, mit dem man diese Temperatur überhaupt erreichen kann.

Der Fehler, den fast alle machen

Sie kaufen die Wärmepumpe und schauen dann, ob die Heizkörper passen.

Ich habe es andersherum gemacht — und würde es wieder so machen. Erst Raum für Raum den Wärmebedarf überschlagen, dann die Heizflächen darauf auslegen, dann die Wärmepumpe dimensionieren. Das hat bei mir am Ende dazu geführt, dass wir mit 38 °C Vorlauf fahren statt der ursprünglich geplanten 48. Zwei Kelvin mehr oder weniger klingen nach nichts, machen über die Heizperiode aber einen spürbaren Unterschied in den Stromkosten.

Was man dabei wissen muss: Nicht nur die Leistung sinkt bei niedriger Temperatur, sondern auch die Leistungsdichte. Ein Niedertemperatur-Heizkörper, der bei 75 °C glüht, gibt bei 35 °C nur noch ein müdes Lüftchen ab. Deshalb ist die Auslegung entscheidend, nicht der Katalogwert.

Welcher Typ passt? Typ 22, Typ 33 und die Sache mit dem Preis

Hier wird es praktisch — und hier scheitern viele.

Welcher Typ passt? Typ 22, Typ 33 und die Sache mit dem Preis
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Flachheizkörper werden nach Typen klassifiziert. Die Zahl gibt an, wie viele Heizplatten und Lamellenreihen verbaut sind. Typ 22 hat zwei Platten und zwei Lamellenreihen, Typ 33 hat drei Platten und drei Lamellenreihen. Mehr Reihen, mehr Leistung pro Fläche — aber auch mehr Wasserinhalt, mehr Gewicht und höherer Preis.

Typ Bautiefe (ca.) Leistung bei 75/65/20 (pro m² Fläche) Leistung bei 45/35/20 (ca.) Preisniveau
Typ 11 60 mm ~900 W ~330 W günstig
Typ 22 100 mm ~1.450 W ~530 W mittel
Typ 33 155 mm ~1.950 W ~720 W hoch
Typ 33 (Hochleistung) 160 mm+ ~2.300 W ~850 W hoch

Die Werte sind Richtwerte und hängen von Bauhöhe, Länge und Hersteller ab. Was die Tabelle aber zeigt: Der Sprung von 75 auf 45 °C kostet rund zwei Drittel der Leistung. Das ist die eigentliche Botschaft.

Typ 33 oder lieber längerer Typ 22?

Das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt hat — und die Antwort ist nicht eindeutig.

Ein Typ 33 ist teurer, schwerer, hat mehr Wasserinhalt (was bei Wärmepumpen mit geringem Wasservolumen im System durchaus ein Vorteil sein kann) und braucht mehr Wandabstand wegen der Bautiefe. Ein längerer Typ 22 hat weniger Leistung pro Meter, lässt sich aber oft besser in Nischen und unter Fensterbänke integrieren.

Meine persönliche Meinung: Wenn der Platz es zulässt, ist der längere Typ 22 mit niedrigerer Bauhöhe meist die bessere Wahl. Grund: weniger Wasserinhalt, weniger Trägheit, gleichmäßigere Wärmeverteilung im Raum, und häufig günstiger. Bei mir hat am Ende der örtliche Gegebenheiten entschieden — im Flur passte nur ein Typ 33 in 300 mm Höhe, weil darüber ein Fenster war. Dort hätte kein längerer Typ 22 geholfen.

Was kostet der Spaß wirklich?

Ich habe für unser Haus (acht Heizkörper, davon vier ersetzt) rund 2.100 € Material gezahlt — inklusive neuer Thermostatventile, Anschlussverschraubungen und Kleinkram. Dazu kamen etwa 900 € für den Klempner, weil zwei Anschlüsse versetzt werden mussten. Macht grob 3.000 € für vier Räume.

Klingt viel. Ist es aber nicht, wenn man es gegen die Alternativen stellt:

  • Fußbodenheizung nachrüsten: 80 bis 150 € pro m² beheizter Fläche, plus Estricharbeiten, plus Höhenaufbau — bei 24 m² Wohnzimmer also schnell 2.500 € nur für einen Raum.
  • Nur die Wärmepumpe auf hohe Vorlauftemperatur trimmen: kostet kein Material, aber dauerhaft 20 bis 30 % mehr Strom über die Lebensdauer der Anlage.
  • Alte Heizkörper behalten und Vorlauf senken: geht nur, wenn die früher ohnehin überdimensioniert waren — in Bestandsbauten selten.

Was mich am meisten überrascht hat: Die Preisspanne zwischen Herstellern ist riesig. Derselbe Typ 33, 600×1.600 mm, kostete beim Fachhandel 380 € und im Online-Shop 180 €. Beim Heizkörper selbst würde ich definitiv online kaufen — vorausgesetzt, man hat die genauen Maße, Bauhöhe, Anschlussart (seitlich, unten mittig, unten seitlich) und Ventilposition vorher geklärt. Beim Klempner und der Anbindung ans System würde ich das nicht machen.

Der blinde Fleck: Altbau und die Realität

Alle Ratgeber sagen dasselbe: Erst dämmen, dann Wärmepumpe, dann Heizkörper. Schön. Nur leben wir nicht in Ratgebern.

Unser Haus hat eine 36 cm Ziegelwand von 1962 ohne Kerndämmung. Die Fenster sind dreifach verglast, das Dach ist gedämmt, die Außenwand nicht. Nach meiner Rechnung (Wärmebedarf pro Raum grob überschlagen, dann Heizflächen dimensioniert) läuft die Wärmepumpe bei Außentemperaturen um 0 °C mit 38 °C Vorlauf, bei -10 °C mit 44 °C. Der COP liegt dann im Jahresmittel bei etwa 3,4.

Hätte ich die Außenwand gedämmt — was hier rund 18.000 € gekostet hätte — wäre ich bei 34 °C Vorlauf und einer JAZ von etwa 4,1 gelandet. Die Heizkörper wären dann kleiner ausgefallen. Die Dämmung hätte sich also doppelt bezahlt gemacht: weniger Wärmeverlust und kleinere, günstigere Heizkörper. Würde ich es nochmal machen? Ehrlich: Vielleicht. Die Reihenfolge ist am Ende eine Frage des Geldes, und das war damals schlicht nicht da.

Was ich daraus gelernt habe: Niedertemperatur-Heizkörper sind keine Wunderlösung. Sie sind ein Baustein. Wer sie kauft und die Hülle des Hauses nicht anfasst, wird trotzdem mit einer mäßigen JAZ leben müssen. Aber wer sie richtig dimensioniert, holt aus seiner Wärmepumpe deutlich mehr heraus, als die meisten erwarten.

Und dieser eine Wert — 38 statt 48 °C — ist im Nachhinein betrachtet die Entscheidung, die ich am wenigsten bereue.

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Lukas Koch

Lukas Koch

Lukas Koch ist Journalist und berichtet seit über zehn Jahren für Print- und Onlinemedien. Seine Arbeit umfasst Analysen zu Finanzmärkten, Immobilienentwicklungen sowie Texte zu gesellschaftlichen…

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